Sommerferien, 35 Grad, vollgepacktes Auto – und dann geht auf der Autobahn plötzlich nichts mehr. Stundenlanger Stop-and-Go ist nicht nur nervig, sondern frisst Sprit, belastet Kreislauf und kann bei einem kleinen Rempler schnell zum Versicherungsproblem werden. Wer ein paar Grundregeln beachtet, kommt günstiger, sicherer und rechtlich entspannter durch den Stau.

Spritsparen im Stop-and-Go

Ständiges Anfahren und Bremsen treibt den Verbrauch um leicht 10–30 Prozent in die Höhe, bei voll beladenem Auto oft noch mehr. Besonders teuer wird es, wenn das Gaspedal beim Anfahren voll durchgetreten wird und der Motor jedes Mal hochdreht.

Besser ist ein „weiches“ Fahren: sanft anfahren, früh hochschalten und lieber im zweiten Gang rollen lassen, statt im ersten abrupt zu beschleunigen. Wer genug Abstand lässt, kann kleine Lücken ausrollen, ohne jedes Mal komplett anzuhalten – das entlastet auch die Nerven.

Moderne Start-Stopp-Systeme (automatisches Motorabschalten im Stand) sollten im Stau eingeschaltet bleiben. Steht man ohne Start-Stopp länger als etwa 30 Sekunden, lohnt sich meist das manuelle Abschalten des Motors, insbesondere bei Benzinern. Auf sehr kurzen „Wackelstaus“, wo es alle paar Sekunden ein Stück vorangeht, ist das ständige Ein- und Ausschalten dagegen eher störend.

Zusatzausstattung wirkt sich ebenfalls aus: Eine Dachbox kann auf freier Strecke 10–25 Prozent Mehrverbrauch verursachen, leere Dachträger liegen bei rund 0,3–0,5 Litern pro 100 Kilometer. Wer auf dem Rückweg keinen Nutzen mehr davon hat, sollte sie abmontieren – auch wenn das im Stau selbst nicht hilft, auf der restlichen Strecke aber deutlich Sprit spart.

Hitzeschutz für Auto und Insassen

Bei Sommerstaus wird die Hitze im Fahrzeug schnell zum Hauptproblem. Schon nach wenigen Minuten kann die Innenraumtemperatur deutlich über 40 Grad steigen, wenn die Sonne ungehindert auf Glasflächen trifft.

Die Klimaanlage hilft, verbraucht aber zusätzlich Kraftstoff: je nach Fahrzeugtyp rund 0,3–1,0 Liter pro 100 Kilometer. Im Stau lohnt sich daher ein moderates Temperaturziel von etwa 23–25 Grad statt „LO“ oder Maximum-Kühlung – das reicht für Komfort und schont gleichzeitig den Verbrauch.

Bei längeren Standphasen können kurz geöffnete Fenster und eine Lüftungsstufe oft ausreichen, wenn das Auto im Schatten steht. Wichtig sind Sonnenschutzrollos oder -matten an den hinteren Scheiben, damit Kinder und Mitreisende nicht direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind.

Unverhandelbar: Kinder und Haustiere dürfen bei Hitze niemals im geschlossenen Auto zurückgelassen werden, auch nicht für wenige Minuten. Die Temperatur steigt schneller an, als viele erwarten, und kann innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden.

Versicherungsfallen im Stau

Im zähfließenden Verkehr sind Auffahrunfälle der Klassiker – und hier greift meist der sogenannte Anscheinsbeweis: Wer auffährt, gilt in vielen Fällen als Hauptverursacher, weil er offenbar den Abstand nicht eingehalten oder nicht rechtzeitig reagiert hat. Die eigene Haftpflichtversicherung reguliert zwar den Schaden des Vordermanns, aber bei grob fahrlässigem Verhalten drohen Probleme mit der Vollkasko.

Typische Stolperfallen sind Ablenkung durch Smartphone, Navi oder Videos. Kommt es dabei zum Unfall, kann der Versicherer Leistungen kürzen, je nach Schwere des Verstoßes teilweise erheblich. Einige Kaskotarife verzichten zwar auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, aber meist nicht bei Alkohol oder besonders riskanten Verhaltensweisen.

Auch die Rettungsgasse ist mehr als nur eine Ordnungswidrigkeit. Wer sie blockiert oder den Standstreifen unberechtigt nutzt und dadurch einen Unfall verursacht oder Rettungskräfte behindert, riskiert neben Bußgeld und Punkten auch versicherungsrechtliche Nachteile. Im Extremfall kann der Versicherer einen Teil der gezahlten Summe zurückfordern.

Knifflig wird es zudem beim Spurwechsel im Stop-and-Go: Wer die Spur wechselt und es kommt unmittelbar danach zum Zusammenstoß, trägt häufig einen höheren Haftungsanteil, weil er den Spurwechsel nicht ausreichend abgesichert hat. Dashcam-Aufnahmen (kleine Videokamera hinter der Frontscheibe) können bei der Klärung helfen, sind aber nur unter bestimmten datenschutzrechtlichen Bedingungen verwertbar.

Checklist

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Tank vor Ferienfahrten mindestens halbvoll halten, um im Stau nicht in Reichweitenangst zu geraten.

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Abstand so wählen, dass sanftes Anrollen statt ständigen Vollbremsungen möglich ist.

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Klimaanlage auf moderat kühlen, Sonnenblenden und Rollos nutzen, ausreichend Wasser einpacken.

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Kinder und Tiere niemals im geschlossenen, abgestellten Auto zurücklassen.

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Smartphone nur mit Freisprecheinrichtung, keine Videos oder Spiele während der Fahrt.

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Rettungsgasse früh bilden, Standstreifen nur in echten Notfällen und nach Rücksprache mit Polizei nutzen.

Wer Staus bei der Reiseplanung einkalkuliert, sein Fahrverhalten anpasst und typische Versicherungsfallen kennt, reduziert Stress und Kosten deutlich. So wird der Sommerstau zwar nicht kürzer, aber deutlich erträglicher – und bleibt im besten Fall unfallfrei.