Winterreifen, Ganzjahresreifen oder Schneeketten: die richtige Traktionswahl für Schweizer Straßen
Der erste Schnee liegt auf der Fahrbahn, Sie stehen vor dem Auto und fragen sich: Reichen meine Ganzjahresreifen oder brauche ich doch Winterreifen und Schneeketten im Kofferraum? In der Schweiz kann der Wechsel von Regen zu Eis in wenigen Höhenmetern passieren – wer hier falsch entscheidet, riskiert nicht nur Stress, sondern auch Busse und Ärger mit der Versicherung.
Winterreifen sind speziell für Temperaturen unter etwa 7 °C entwickelt und greifen dank weicherer Gummimischung und Lamellenprofil besser auf Schnee und Eis. Ganzjahresreifen kombinieren Sommer- und Wintereigenschaften, sind aber immer ein Kompromiss, während Schneeketten als Nothelfer bei viel Schnee oder auf steilen Passstraßen gedacht sind.
Recht und Realität in der Schweiz
Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in der Schweiz nicht. Dennoch verlangt das Gesetz, dass Ihr Fahrzeug jederzeit «betriebs- und verkehrssicher» unterwegs ist – dazu gehört bei winterlichen Verhältnissen eine passende Bereifung.
Wer mit offensichtlich ungeeigneten Reifen im Schnee hängen bleibt oder einen Unfall verursacht, muss mit einer Busse rechnen, in der Praxis oft im dreistelligen Frankenbereich. Versicherer können zudem Leistungen kürzen, wenn grobe Fahrlässigkeit vorliegt, etwa weil Sie mit fast abgefahrenen Sommerreifen auf verschneiter Straße unterwegs waren.
Schneeketten können durch ein rundes, blaues Verkehrsschild mit Schneekettensymbol ausdrücklich vorgeschrieben werden. Wer ohne Ketten in so einer Zone unterwegs ist, riskiert nicht nur eine Strafe, sondern schlimmstenfalls das Blockieren der ganzen Strecke.
Wann Winterreifen sinnvoll sind
Wenn Sie regelmäßig im Winter unterwegs sind, frühmorgens pendeln oder öfter über Pässe fahren, sind Winterreifen die sicherste Wahl. Auf Schnee können sie den Bremsweg im Vergleich zu Sommerreifen um 20–30 % verkürzen, auf Matsch und kaltem Asphalt bringen sie ebenfalls spürbar mehr Grip.
Achten Sie auf das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, oft «3PMSF» genannt). Dieses Zeichen zeigt an, dass der Reifen einen genormten Wintertest bestanden hat; das ältere «M+S» allein sagt wenig über das tatsächliche Winterkönnen.
Kosten: Ein kompletter Satz Marken-Winterreifen für einen Kompaktwagen liegt meist zwischen 400 und 900 Franken, Felgen kommen allenfalls dazu. Der saisonale Wechsel kostet in vielen Garagen pro Mal etwa 60–120 Franken; auf die Lebensdauer können Sie aber die Kilometer auf zwei Reifensätze verteilen, was den Mehrpreis teilweise relativiert.
Beim Profil gilt: Gesetzlich sind 1,6 mm Mindestprofiltiefe vorgeschrieben, für Winterreifen empfehlen Fachleute mindestens 4 mm. Prüfen Sie vor jeder Saison alle vier Reifen – ungleich abgefahrene Profile können auf Fahrwerksprobleme oder falschen Luftdruck hindeuten.
Für wen sich Ganzjahresreifen lohnen
Ganzjahresreifen sind interessant, wenn Sie hauptsächlich im Flachland unterwegs sind, wenig Jahreskilometer (z. B. 8 000–12 000 km) fahren und selten bei starkem Schneefall unterwegs sind. Sie sparen sich Reifenwechsel, Lagerkosten und Terminorganisation.
Wichtig ist, nur Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol zu wählen, nicht nur mit M+S-Markierung. Diese Modelle erreichen bei moderaten Schweizer Wintern oft 80–90 % der Winter-Performance eines guten Winterreifens, kommen aber auf blankem Eis oder sehr steilen, verschneiten Straßen früher an ihre Grenzen.
Durch die Kompromiss-Gummimischung können Ganzjahresreifen im Sommer etwas schneller verschleißen und bei hohen Geschwindigkeiten minimal längere Bremswege haben. Wer viel Autobahn mit 120 km/h fährt oder regelmäßig ins Gebirge muss, ist mit einem klaren Sommer-/Winter-Setup meist besser beraten.
Schneeketten richtig einsetzen
Schneeketten gehören in der Schweiz für viele Winterfahrer ins Auto – idealerweise ab Oktober. Sie bringen massiven Traktionsgewinn beim Anfahren und Bremsen auf dichter Schneedecke oder Eis, sind aber laut, unbequem und schädlich für trockenen Asphalt.
Fahren Sie mit Ketten nur, wenn die Fahrbahn wirklich überwiegend schneebedeckt ist, und halten Sie sich an Geschwindigkeitsangaben des Herstellers, meist maximal 50 km/h. Auf freier Strecke sind 30–40 km/h oft sinnvoll, um Fahrzeug und Ketten zu schonen.
Üben Sie das Montieren einmal zu Hause im Trockenen, statt das erste Mal im Schneesturm bei –5 °C. Sinnvoll sind ein Paar Arbeitshandschuhe, eine kleine Unterlage oder alte Decke und eine Stirnlampe im Kofferraum.
Checklist
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Fahrprofil prüfen: Täglicher Winter-Pendler oder nur gelegentliche Wochenendfahrten?
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Wohn- und Zielgebiete: Regelmäßig Pässe und steile Zufahrten? → eher Winterreifen plus Ketten.
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Wenig Kilometer, meist Stadt und Agglomeration, kaum Bergfahrten? → gute Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol können reichen.
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Profiltiefe vor dem Winter messen und bei Winter- und Ganzjahresreifen ab ca. 4 mm kritisch werden.
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Einmal pro Saison Reifendruck kontrollieren (kalt messen), im Winter eher am oberen Ende der Herstellerangabe bleiben.
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Vor längeren Winterreisen Wetter- und Passinformationen prüfen und Schneeketten griffbereit, nicht ganz unten im Kofferraum, verstauen.
Wenn Sie Fahrprofil, Budget und typische Winterbedingungen ehrlich einschätzen, fällt die Wahl zwischen Winterreifen, Ganzjahresreifen und Schneeketten deutlich leichter. Im Zweifel ist etwas mehr Aufwand beim Reifenmanagement immer günstiger als ein verlorener Tag im Stau oder ein Unfall auf glatter Strecke.