Volles Auto, Serpentinen, steile Rampen – und im Kopf die Frage: Wie komme ich über den Pass, ohne den Verbrauch explodieren zu lassen oder eine Blechkolonne hinter mir zu produzieren? Gerade auf Schweizer Passstraßen treffen hohe Last, starke Steigungen und dichter Ferienverkehr zusammen. Wer hier vorausschauend fährt, spart messbar Kraftstoff, schont die Bremsen und hält den Verkehr trotzdem flüssig.

Bergauf: Kraft nutzen, nicht vergeuden

Bergauf ist der Verbrauch schnell doppelt so hoch wie in der Ebene, vor allem mit voll beladenem Fahrzeug oder Dachbox. Entscheidend ist, dass der Motor im effizienten Drehzahlbereich arbeitet, also weder gequält untertourig noch ständig im roten Bereich.

Bei den meisten modernen Benzinern und Dieseln liegt dieser Bereich grob zwischen 1.800 und 3.000 U/min, bei kleineren Motoren eher etwas höher. Wichtiger als die exakte Zahl ist ein gleichmässiger Zug ohne hektisches Schalten und Vollgasstösse – das schont Nerven, Nadel und Nachfolgeverkehr.

Vor längeren Steigungen hilft es, frühzeitig minimal Tempo aufzubauen, statt unten mit 60 km/h und Vollgas in den Hang zu fahren. Wer vorausschauend leicht beschleunigt, kann den Berg mit halb geöffnetem Gas und mittlerem Gang hochfahren; das spart gegenüber dauerndem Vollgas schnell 10–20 % Kraftstoff.

Wer merkt, dass das Auto mit der gewählten Geschwindigkeit am Limit ist, sollte nicht versuchen, den Verkehr „auf Teufel komm raus“ zu halten. Besser: realistische Geschwindigkeit wählen, Abbiech- oder Ausweichbuchten sowie langsamere Fahrstreifen konsequent nutzen und dort Folgeverkehr vorbeilassen. So bleibt der Fluss erhalten, ohne den Motor zu quälen.

Bergab: Bremsen entlasten, Motor nutzen

Bergab verschenken viele Fahrer den grössten Spar- und Sicherheitsvorteil: die Motorbremse. Dabei bremst der Motor in einem niedrigeren Gang das Fahrzeug, während moderne Motoren dank Schubabschaltung (Kraftstoffzufuhr im Schubbetrieb wird unterbrochen) praktisch keinen Sprit einspritzen.

Die Faustregel: im Zweifel bergab denselben oder einen nur leicht höheren Gang wählen wie bergauf. Die Motordrehzahl darf dabei deutlich höher sein als in der Ebene, 3.000–4.000 U/min sind bei vielen Motoren unkritisch, solange die Temperatur im Normalbereich bleibt. Dauerbremsen mit leicht getretenem Pedal führt dagegen zum Überhitzen – im schlimmsten Fall zu Fading, also schlagartig nachlassender Bremswirkung.

Besonders auf langen Gefällestrecken gilt: nie im Leerlauf rollen lassen und schon gar nicht den Motor ausschalten. Beides verschlechtert die Fahrzeugkontrolle, nimmt Bremskraftverstärker und Servolenkung teilweise ausser Betrieb und kann als grob verkehrsgefährdend ausgelegt werden.

Autos mit Automatikgetriebe bieten oft einen Bergmodus oder die Möglichkeit, die Gänge manuell zu wählen. Wer eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (Abstandsregeltempomat: hält Tempo und Abstand automatisch) hat, sollte bergab eher eine etwas niedrigere Zielgeschwindigkeit einstellen, damit das System verstärkt über die Motorbremse statt über die Radbremsen verzögert.

Planung, Beladung, Fahrstil

Viele Liter lassen sich schon sparen, bevor der erste Meter Steigung kommt. Jedes zusätzliche 50-kg-Paket erhöht den Verbrauch merklich, bei voller Berg- und Urlaubsbeladung sind 0,5–1,0 l/100 km Mehrverbrauch auf der Gesamtstrecke keine Seltenheit. Alles, was nicht zwingend mit muss, bleibt besser zu Hause.

Noch grösser ist der Effekt von Aufbauten: Eine Dachbox kann bei Tempo 100–120 je nach Form 10–25 % Mehrverbrauch verursachen, ein leerer Dachträger immer noch rund 0,3–0,5 l/100 km. Wer hauptsächlich einen Passausflug plant und nicht quer durchs Land fährt, sollte überlegen, Dachträger und Box danach möglichst bald wieder abzurüsten.

Für den Verkehrsfluss ist gleichmässiges Fahren wichtiger als maximale Geschwindigkeit. Konstante 60–70 km/h mit ausreichendem Abstand sind für die Kolonne hinter Ihnen angenehmer (und oft schneller) als ständiges Wechseln zwischen 40 und 80. Aggressives Herausbeschleunigen vor jeder Geraden treibt nur den Verbrauch hoch und erhöht das Risiko von riskanten Überholmanövern anderer.

Auch Pausen spielen eine Rolle: Wer übermüdet hochkonzentriert Kurvenketten abarbeitet, neigt zu hektischen Reaktionen und Fehlgriffen beim Gangwechsel. Besser ist, vor längeren Passstrecken kurz zu pausieren, die Route zu prüfen und sich bewusst auf den Bergabschnitt einzustellen – besonders bei wechselhaftem Wetter oder in der Dämmerung.

Checklist

  • Unnötige Last und Dachaufbauten vor der Tour entfernen
  • Vor Steigungen früh und moderat beschleunigen, nicht im letzten Moment voll aufs Gas
  • Bergauf realistische Geschwindigkeit wählen und Überholbuchten aktiv nutzen
  • Bergab im passenden Gang mit Motorbremse fahren, Dauerbremsen vermeiden
  • Nie im Leerlauf oder mit ausgeschaltetem Motor rollen lassen
  • Ausreichend Pausen einplanen, besonders bei langen Passketten

Wer diese Punkte beherzigt, kommt über Schweizer Passstraßen nicht nur sparsamer, sondern auch entspannter und sicherer ans Ziel – und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Verkehr hinter ihm fliessen kann.