Du fährst mit 120 km/h auf der Autobahn, links ist frei, rechts rollen Autos gemütlich dahin – auf welcher Spur gehörst du hin, ohne ein Bußgeld zu riskieren? Genau diese Frage entscheidet in der Schweiz oft darüber, ob die Fahrt entspannt bleibt oder teuer wird. In der Schweiz gilt das Rechtsfahrgebot auf Autobahnen, also die Pflicht, grundsätzlich rechts zu fahren. Es bedeutet, dass die linke(n) Spur(en) vor allem zum Überholen gedacht sind und nicht als Dauerlösung.
Rechtsfahrgebot im Alltag
Auf zweispurigen Autobahnen ist die rechte Spur deine Standardspur, die linke ist überwiegend zum Überholen da. Auf dreispurigen Abschnitten gilt: Rechts ist Standard, die mittlere Spur nur, wenn rechts dichter oder langsamerer Verkehr herrscht, und die linke vor allem zum Überholen.
Längeres Fahren auf der linken oder mittleren Spur ohne Notwendigkeit wird als Behinderung gewertet. Wer über viele Kilometer links fährt, obwohl rechts genügend Platz ist, riskiert schnell eine empfindliche Ordnungsbusse im mindestens dreistelligen Bereich und bei grober Missachtung sogar eine Anzeige mit höherem Bußgeld.
Überholen und rechts vorbeifahren
Überholt wird in der Schweiz auf der Autobahn grundsätzlich links. Rechts zu überholen (also bewusster Spurwechsel nach rechts, Beschleunigen und wieder nach links) gilt als gefährliches Manöver und wird entsprechend hart sanktioniert – je nach Situation sind hohe Geldstrafen und ein Führerausweisentzug möglich.
In dichtem Kolonnenverkehr ist aber ein rechts Vorbeifahren ohne Spurwechsel erlaubt. Das heißt: Wenn alle Spuren im stockenden Verkehr mit ähnlicher Geschwindigkeit rollen, darf die rechte Kolonne auch einmal etwas schneller sein, solange du auf deiner Spur bleibst. Die weit verbreitete Annahme, rechts dürfe man immer schneller fahren, wenn links langsamer wird, ist falsch. Erlaubt ist nur das Mitrollen in der eigenen Kolonne, nicht das aktive "Durchschlängeln" über die rechte Spur.
Häufige Fehler und Kontrollen
Ein klassischer Fehler ist, nach dem Überholen zu lange links zu bleiben, "um gleich den nächsten zu überholen". Damit baust du leicht einen fahrenden Stau auf und ziehst Frust und Auffahrunfälle an. Ebenso heikel sind späte Spurwechsel vor Ausfahrten, bei denen andere abrupt abbremsen müssen – auch das fällt der Polizei auf und kann als ungenügendes Fahrverhalten gewertet werden.
Kontrollen finden nicht nur fest installiert statt, sondern oft auch durch zivile Polizeifahrzeuge, die über einige Kilometer beobachten. Gerade dauerhaftes Linksfahren, riskantes Rechtsüberholen oder Drängeln auf der Überholspur sind typische Auslöser für Anhaltungen. Neben Bußgeldern drohen in schweren Fällen Administrativmaßnahmen wie Verwarnungen oder ein vorübergehender Entzug des Führerausweises, was schnell deutlich teurer wird als jede Ordnungsbusse.
Checklist
- Auf der Autobahn grundsätzlich die rechte Spur nutzen, wenn es der Verkehr erlaubt.
- Nur so weit links fahren, wie zum Überholen nötig, danach zügig wieder nach rechts wechseln.
- Rechts nur im Kolonnenverkehr vorbeifahren und dabei die Spur halten, keine "Slalom"-Spurwechsel.
- Genügend Abstand halten: lieber ein paar Sekunden länger warten als riskant einscheren.
- Frühzeitig einspuren, wenn sich Spuren verengen oder eine Ausfahrt näherrückt.
- Bei unsicherer Rechtslage im Zweifel die sicherere, defensivere Variante wählen.
Wenn du das nächste Mal auf der Autobahn unterwegs bist, nimm dir bewusst vor, nach jedem Überholen so schnell wie möglich wieder rechts einzuspuren. Mit klarer Spurwahl, genügend Abstand und etwas Voraussicht bist du nicht nur bußgeldsicherer unterwegs, sondern auch entspannter und sicherer am Ziel.