Gerät der Verkehr auf der Autobahn ins Stocken, warten viele Fahrerinnen und Fahrer zu lange mit dem Ausweichen. Sie reagieren erst auf Blaulicht oder Sirene, obwohl ihnen dann häufig der nötige Rangierraum fehlt. Eine früh gebildete Rettungsgasse verhindert, dass einzelne Fahrzeuge den Weg für Einsatzkräfte blockieren.

Nicht auf Blaulicht warten

Das entscheidende Signal ist nicht das herannahende Einsatzfahrzeug, sondern stockender Verkehr bis hin zum Schritttempo. Spätestens jetzt müssen sich alle seitlich einordnen, auch wenn weder Blaulicht zu sehen noch eine Sirene zu hören ist. Eine Kette von Bremslichtern, stark sinkendes Tempo sowie wiederholtes Anfahren und Stoppen zeigen früh genug, dass die Durchfahrt freigehalten werden muss.

Wer erst beim Auftauchen der Rettungskräfte ausweicht, muss unter Zeitdruck rangieren. Besonders kritisch ist ein zu geringer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug: Fehlt die freie Fläche davor, lässt sich das eigene Auto kaum noch seitlich versetzen. Dadurch kann die Gasse an nur einer Stelle unpassierbar werden, obwohl die übrigen Verkehrsteilnehmenden korrekt stehen. Hektische Korrekturen helfen dann wenig, weil auch die Fahrzeuge dahinter kaum Platz zum Nachrücken oder Ausweichen haben.

Die richtige Fahrzeugposition

Die freie Durchfahrt entsteht immer zwischen der äussersten linken Spur und allen übrigen Fahrspuren. Entscheidend ist deshalb nicht eine beliebige Lücke, sondern eine durchgehende Gasse an derselben Stelle über den gesamten stockenden Verkehr hinweg. Für die Fahrzeugposition gilt:

  • Bei zwei Spuren fährt die linke Spur möglichst weit nach links.
  • Die rechte Spur orientiert sich möglichst weit nach rechts.
  • Bei drei oder mehr Spuren weicht nur die äusserste linke Spur nach links aus.
  • Alle weiteren Spuren bewegen sich nach rechts und halten dort ihre Position.
  • Der Pannenstreifen bleibt grundsätzlich frei und dient weder zum Ausweichen noch zum Überholen.

Nach dem Einordnen sollten alle ihre Position halten und genügend Abstand nach vorne lassen. Die Rettungsgasse darf nicht geschlossen werden, sobald das erste Einsatzfahrzeug vorbeigefahren ist: Weitere Einsatzkräfte oder Abschleppfahrzeuge können folgen. Wer eigenmächtig in die freie Gasse vorfährt, blockiert den Korridor erneut und zwingt andere möglicherweise zu weiteren Rangiermanövern. Das ruhige Stehenbleiben in der gewählten Position ist daher ebenso wichtig wie das rechtzeitige Ausweichen.

Rangierraum früh sichern

Wenige Vorbereitungen vor einer längeren Fahrt erleichtern das frühe Reagieren: Aussenspiegel passend einstellen, die freie Sicht nach hinten prüfen und sich die Spurregel vergegenwärtigen. Lose Gegenstände sollten den Blick nicht einschränken. Im stockenden Verkehr bleibt anschliessend ausreichend Abstand nach vorne entscheidend, damit kleine seitliche Korrekturen möglich bleiben und nicht erst dann improvisiert werden muss, wenn sich die Einsatzkräfte bereits nähern.

Kann ein Fahrzeug wegen einer Panne nicht aus der Rettungsgasse bewegt werden, sind Reparaturversuche mitten im Verkehr keine gute Idee. Dann gilt es, den Warnblinker einzuschalten, Hilfe zu verständigen und den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen; in allen anderen Fällen lautet der praktische Ablauf: früh ausweichen, Abstand halten und die Gasse auch nach dem ersten vorbeifahrenden Fahrzeug dauerhaft offen lassen.