Wer morgens nur schnell zum Supermarkt, zur Arbeit oder zur Kinderbetreuung fährt, sieht oft einen überraschend hohen Durchschnittsverbrauch. Dahinter steckt meist nicht der zähe Verkehr, sondern der kalte Motor: In den ersten Minuten braucht er mehr Kraftstoff, weil Öl, Metallteile und die Abgasreinigung noch nicht auf Temperatur sind. Gerade im Alltag mit vielen kurzen Wegen fällt der Stau auf, der Kaltstart aber oft nicht.

Kaltstart frisst am meisten

Bei jedem Start läuft der Motor zunächst mit einem angereicherten Gemisch, also mit mehr Kraftstoff als im warmen Betrieb. Gleichzeitig ist das Öl zäher, die innere Reibung höher und der Katalysator, also die Abgasreinigung, arbeitet erst richtig, wenn er warm ist.

Darum kann eine Folge sehr kurzer Fahrten den Verbrauch stärker treiben als ein längerer Abschnitt im Stop-and-go. Wenn der Motor schon warm ist, bleibt er trotz Anfahren und Bremsen oft näher an seinem normalen Arbeitsbereich als bei drei separaten Fahrten von wenigen Kilometern.

Warum Stau oft überschätzt wird

Natürlich kostet stockender Verkehr Sprit, vor allem mit vielen Beschleunigungen. Im Alltag wird sein Effekt aber oft überschätzt, weil der Bordcomputer die kalten ersten Minuten jeder Fahrt besonders stark nach oben zieht. Wer nur kurz unterwegs ist, beendet die Fahrt oft genau dann, wenn der Antrieb gerade effizienter werden würde.

Im Winter fällt das noch deutlicher aus, wenn Gebläse, Heckscheibenheizung, Sitzheizung und Licht zusätzlich Energie brauchen. Auch ein Start-Stopp-System (schaltet den Motor im Stand ab) hilft nur begrenzt: Es spart im Halt, ändert aber nichts daran, dass der Motor auf kurzen Wegen zu selten lange genug warm läuft.

Route und Wege klüger planen

Der größte Hebel liegt deshalb nicht am Gaspedal, sondern in der Planung. Wer Erledigungen bündelt, aus mehreren kalten Starts einen macht und sehr kurze Wege möglichst ohne Auto erledigt, spart oft mehr als durch das Vermeiden jeder kleinen Staugefahr. Selbst eine etwas längere, flüssigere Strecke kann günstiger sein als die kürzeste Route mit vielen Stopps plus einer späteren zweiten Kurzfahrt.

  • Mehrere Besorgungen in eine Fahrt legen statt über den Tag verteilen.
  • Nach dem Start ruhig losfahren, statt den Motor im Stand warmlaufen zu lassen.
  • Die ersten Kilometer sanft beschleunigen und hohe Drehzahlen vermeiden.
  • Bei sehr kurzen Wegen prüfen, ob Gehen, Rad oder öffentlicher Verkehr sinnvoller ist.

Wenn der Verbrauch im Alltag zu hoch wirkt, lohnt zuerst der Blick auf die Fahrtenlänge und erst danach auf den Verkehr. Weniger Kurzstrecken oder besser gebündelte Wege senken den Spritbedarf meist spürbarer als jede noch so clevere Stauumfahrung.